Datenschutz-Kunstlauf

Datenschutz-Kunstlauf

Datenschutz also – Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, ob alle meine Webseiten tatsächlich bis ins Letzte DSGVO-konform sind. Ich habe einige Whitepapers, Broschüren und eBooks gelesen (von denen ich kein einziges wirklich hilfreich fand), Datenschutzerklärungsgeneratoren bemüht und tatsächlich ein paar Backup-Analyse- und CRM-Tools von meinen Seiten entfernt. – In Wahrheit haben die eh bloß die Ladezeit verschlechtert und nach anfänglicher Neugier in den ersten zwei Wochen habe ich mich dann wieder auf die Auswertung der Haupt-Analyse- und CRM-Tools beschränkt.
 
Was ich aber 100%ig weiß: Alle NewsletterempfängerInnen, die jemals über eine von mir verwaltete Seite Newsletter bekommen haben, haben diese mit Double Opt In und allem was dazugehört bestellt (und können sie jedes Mal auch abbestellen).
Die Versuchung war wohl oft mal groß, wenn auch der xte Mitbewerber es nicht schafft, sein neues Oninemagazin oder seinen Popup-Stammtisch nur an jene zu promoten, die es auch interessieren könnte, dann auch mal drauf zu pfeifen und die Verteiler etwas großzügiger zu gestalten – aber grundsätzlich waren die Regeln klar und die Strafandrohungen gerade für kleine Unternehmen nur unwesentlich weniger drastisch als jetzt.
 
Insofern finde ich die Datenschutz-Dramen, die sich offensichtlich abgespielt haben, ja ganz putzig.
Ich halte sie aber auch für ein Lehrbeispiel dafür, wie gerne wir die Welt verbessern, wenn es nur nicht uns selbst betrifft: Vor nicht mal drei Jahren wurde die Datenschutzverordnung noch gefeiert. Sie galt als Durchbruch, als Startschuss zur Wahrung digitaler Grundrechte, als Grundstein für Chancengleichheit und eine europäische Aufholjagd gegenüber US-amerikanischen Konzernen. Ein eigener Dokumentarfilm hat ihre Entstehung abgefeiert. Sogar manche Journalisten erinnern sich jetzt daran, dass an der Verordnung nicht immer alles schlecht war.
 
Heute ist die DSGVO der Buhmann und willkommene Projektionsfläche für die eigenen Unzulänglichkeiten in der Datenwartung. Schräg dabei ist halt, dass Facebook und der Facebook-Boss damals schon die Feindbilder waren und es auch heute noch sind. Sie, die da, die da oben, die weit weg, die anderen – die alle sollen sich an die Regeln halten Aber wir? Wir sind doch wir …
 
PS: Ich bin mir sicher, wer meine Seiten kritisch durchforstet, wird datenschutzkritische Punkte finden. Siehe oben.
 
PPS: Wer will, kann aber auch einen neodatenschutzkonformen Newsletter abonnieren.