Presseförderung: dieser ordentliche Journalismus

Man kann sich nicht immer aussuchen, welchen Job man macht. Man kann aber in jedem Job Haltung haben. Schwieriger wird das dann, wenn der Job gut bezahlt ist, die Kohle dringend gebraucht wird und Alternativen Mangelware sind. Dann braucht man beim Müllfressen eben einen längeren Atem.
Solche Müllfresser möchte offenbar Medienminister Thomas Drozda gerne züchten, wenn er Presseförderung für Gratiszeitungen damit argumentiert, dass es auch dort „ordentliche Journalisten“ gebe.
Dazu fallen mir mehrere Dinge ein:
  1. Presseförderung fließt ja bekanntlich direkt in Journalistengehälter. Schaut einfach mal auf euren Gehaltszetteln nach.
  2. Sind die „ordentlichen Journalisten“ die, die nach ihrer Gratisblatt-Zeit Selbsthilfegruppen gründen, sich über rauen Umgangston beklagen, beteuern, sie hätten ja „ordentliche“ Geschichten gemacht, wenn man sie nur hätte machen lassen, aber der Umstände halber wäre ihnen das nicht möglich gewesen?
  3. Und wie, wenn das Geschäftsmodell der Gratisblätter weiter verstärkt wird, sollen „ordentliche“ Journalisten dann jemals die Gelegenheit finden, einen „ordentlichen“ Job zu machen, wenn sie es sich stattdessen in noch besser finanziell gepolsterten aber halt redaktionell nicht so toll ordentlichen Umgebungen gemütlich machen können?
  4. 400.000 € Förderung entsprechen nicht einmal 20 Anzeigenseiten. Da sind wirklich gravierende Veränderungen im Geschäftsmodell zu erwarten.
  5. Ordentlicher Boulevardjournalismus ist ziemlich ordentlicher Journalismus. Den leisten sich aber gerade die (ehemaligen) Boulevarmedien nicht mehr, seit sie vom Boulevard entweder Richtung Pensionistenparkbank für frühmüde Yogalehrer mit Maturaniveau oder Bioaltwarentandlerinnen mit bescheidenem Bildungsanspruch, oder eben unterirdisch in Richtung Kanal abgebogen sind.

 

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