Wie man den Markt kaputtmacht

Wie man den Markt kaputtmacht

500% Umsatzwachstum, 50, Mitarbeiter und nicht profitabel – das klingt nach einem StartUp, das ein heißes Produkt in der Schublade hat und auf den Exit hinarbeitet. Wenn es dabei um einen Dienstleister – noch dazu um eine Kreativ- und Mediaagentur geht, werde ich ein bisschen stutzig.
 
StoyoMedia macht von sich reden – letztes Jahr gab es die Story von einer Milliarde Videoviews, heuer die von 500% Wachstum und bis zu 50 Mitarbeitern. In manchen Podcasts oder Unternehmensporträts taucht dann noch der kleine Hinweis auf: Profitabel ist man noch nicht.
 
Sollte ja egal sein, denkt man sich. Bei den Wachstumsraten und satten Investments kommt die Kohle schon rüber.
Auf den zweiten Blick wird das allerdings dann doch etwas fragwürdig. Deshalb mal ganz der Reihe nach die Fakten gesammelt:
 
  • StoyoMedia verspricht „datengetriebene Kreation“ als geheimes Asset, ok.
  • Das Resultat sind Werbefilme, die Kunden Reichweite bringen, auch ok.
  • Den Kunden bringt das vielleicht etwas.
  • Der Agentur bringt es nicht genug, um die eigenen Kosten decken zu können.
  • Man erfindet hier also ein Modell, das nicht nur nicht sich selbst trägt, sondern offenbar auch dem Kunden so wenig wert ist, dass er keinen kostendeckenden Preis dafür zahlt.
  • Je weiter dieses Modell skaliert, desto weiter werden die Preise sinken.
 
Ohne Data, Social und andere Hoffnungswerte heißt das also: He, Agentur, mach einen Werbespot. Wir geben dir zwar nur Taschengeld dafür, aber vielleicht wirst du ja berühmt. 
Oder dieses Missverhältnis bedeutet ganz einfach: Datengetriebene Kreation ist doch nicht so toll. Und von einer Milliarde Views kann man sich auch nichts kaufen.
Oder es heißt ganz einfach: Wir geben ein weiteres Feld auf, auf dem sich Kreativität bezahlt machen kann, und ersetzen Kreativität durch Business. – Etwa so, als wäre zwar der Flyer mies, wir engagieren dafür aber ganz viele Flyerverteiler.
 
Alle drei Optionen sägt jemand auf dem Ast, auf dem er sitzt. Und sort dafür, dass sie Äste anderer auch geknickt werden.